Was wirklich zählt: 3 Learnings einer Nahtoderfahrung

Eine Nahtoderfahrung in den Bergen hat mir gezeigt, was wirklich zählt im Leben. Drei Learnings aus dreieinhalb Stunden einbeinig im Gewitter, die du nicht erst am Ende brauchst.

Zweieinhalbtausend Meter, kurz nach halb sieben. Über mir kracht das Gewitter, der Hagel prasselt, und mein Knie ist auf zehn Zentimeter offen. Ich seh den Oberschenkelknochen und die Kniescheibe. Und dann, irgendwann in dieser Nacht, lieg ich am Boden, der Donner hallt zwischen den Gipfeln, und auf einmal seh ich mich von oben. Ich hör mich zu mir selbst sagen: „Tim, es ist okay, wenn heute Schluss ist. Du hast jeden Tag dein Bestes gegeben.“

Kennst du das Gefühl, dass das eigentliche Leben immer erst später anfängt? Nach dem nächsten Projekt, nach der Rente, wenn mal Zeit ist. Wir schieben die wichtigen Dinge vor uns her und lassen uns vom Handy, von Terminen und von tausend Kleinigkeiten ablenken.

Und dann vergeht Jahr um Jahr, und irgendwann merkst du, dass du auf einen Moment wartest, der vielleicht nie kommt. Oder der kommt, wenn es zu spät ist, mit einer Diagnose oder einem Unfall, der dich aus allem rausreißt.

Ich hatte so einen Moment. 2023, in den Bergen im Kaunertal, zusammen mit Mario, einem meiner besten Kumpels. Aus einer geplanten Hüttenwanderung wurden dreieinhalb Stunden einbeinig durch ein Gewitter, mit einer fast durchgerissenen Oberschenkelsehne, danach sechs Wochen auf der Couch. Und so hart das war, es hat mein Leben grundlegend verändert. Drei Learnings hab ich mitgenommen, und die will ich dir weitergeben.

Drei Learnings aus der härtesten Nacht meines Lebens

1. Du kannst viel mehr, als du denkst

Diesen Satz liest du auf jedem zweiten Instagram-Bild, und meistens rauscht er einfach durch. Aber wenn du es einmal am eigenen Körper erlebt hast, weißt du, dass er stimmt. In dem Moment, in dem du denkst, du kannst nicht mehr, bist du vielleicht bei dreißig Prozent von dem, was wirklich in dir steckt. Ich bin diesen Klettersteig einbeinig und im Blackout hochgekommen. Zwei Jahre später bin ich die gleiche Tour bei Tageslicht und mit zwei gesunden Beinen gelaufen und hab erst da gemerkt, wie brutal sie eigentlich ist. Geschafft hab ich es damals, weil ich den kompletten Fokus auf eine Sache hatte und weil all die negativen Glaubenssätze einfach ausgeschaltet waren. Der Preis dafür ist ehrlich: Du findest diese Grenze nur, wenn du bereit bist, durch den unbequemen Teil durchzugehen, statt beim ersten Widerstand aufzugeben.

2. Stell dir öfter die Frage, ob heute Schluss sein dürfte

Das klingt erst mal strange. Du bist Mitte dreißig und fragst dich doch nicht, ob du heute stirbst. Genau diese Frage nutze ich aber regelmäßig, um mein inneres Navi neu auszurichten. Ich frag mich einfach: Ist das, was ich gerade mache, wirklich das, was ich machen will? Komm ich meinen Zielen gerade näher, oder hab ich mich wieder verloren? Das gibt dir einen Fokus, der dich jetzt schon auf das Wichtige lenkt und nicht erst in der Rente oder nach einer Diagnose. Der Preis ist, dass du ehrlich mit der Antwort umgehen musst, auch wenn sie unbequem ist.

3. Gute Freunde sind immer für dich da

In dieser Nacht hab ich gespürt, was ein echter Freund ist. Mario hat meinen Rucksack genommen, mir mein T-Shirt gereicht und gesagt: „Wir schaffen das zusammen.“ Und genau deswegen lohnt es sich, ehrlich zu überlegen, mit wem du eigentlich deine Zeit verbringst und mit wem du sie vergeudest. Die Leute, die wirklich zählen, sind die, die da sind, wenn es schwierig wird, und nicht die fünftausend Kontakte, die sich nur melden, wenn du ihnen nützt. Seitdem spielen Entfernungen für mich kaum noch eine Rolle. Für einen Tagestrip zu meinem Bruder oder zu meinen Großeltern zu fahren, war mir früher zu weit. Heute mach ich es einfach, weil mir die Zeit mit ihnen wichtiger ist als die zwei Stunden Fahrt.

Warum du darauf nicht warten solltest

Das Krasseste an dieser Nacht war nicht die Wunde und auch nicht die Angst. Es war die Bestätigung. In dem Moment, in dem ich dachte, es ist vorbei, war ich wirklich im Frieden mit mir, weil ich wusste, dass ich jeden Tag das gemacht hab, worauf ich Bock hab, und jeden Tag mein Bestes gegeben hab. Und genau das ist der eigentliche Gewinn, wenn du dir selbst treu bleibst: nicht die Sicherheit, dass nichts passiert, sondern die Gewissheit, dass du dir nichts vorzuwerfen hast, egal was kommt.

Und dafür musst du nicht erst auf einem Berg liegen. Du kannst heute damit anfangen, dir die ehrliche Frage zu stellen, ob du gerade wirklich dein Leben lebst oder das von jemand anderem.

Genau dabei will ich dir helfen. In meinem Podcast „Bleib dir treu“ nehm ich dich mit durch meine Learnings aus 33 Jahren Leben. Und weil Zuhören allein wenig verändert, gibt es zu jeder Folge eine Aufgabe. Die schreibst du dir handschriftlich ins „Bleib dir treu“ Arbeitsbuch. Dann bleibt es wirklich hängen und du kommst ins Handeln, statt nur zu nicken und weiterzuscrollen.

Hör rein. Hol dir das Arbeitsbuch. Und fang an, dir treu zu sein.

Hier findest du das Arbeitsbuch: https://5peaks.club/products/bleib-dir-treu-das-arbeitsbuch-zum-podcast

Bleib dir treu
Dein Tim

BLEIB DIR TREU | Das Arbeitsbuch zum Podcast

DIE AUFGABE ZU DIESEM ARTIKEL

Vom Lesen ins Schreiben.

Im Arbeitsbuch stehen 26 Aufgaben zu den 27 Folgen. Alle zwei Wochen rund 30 Minuten — 10–15 Minuten hören, 15 Minuten schreiben. Dieser Artikel bleibt Gedanke, bis du ihn aufschreibst.

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Tim Stiefel

GESCHRIEBEN VON

Tim Stiefel

Ich war bei BMW, selbstständig, arbeitslos. Ich habe Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Als Personaltrainer gearbeitet. Ich hatte sportliche Unfälle, die mich flachgelegt haben. Und jedes Mal musste ich mich zurück kämpfen, raus aus der Komfortzone, mitten ins Ungewisse. Jetzt freue ich mich all meine Learnings an dich weitergeben zu dürfen.